Mich hat nicht nur das Cover, sondern auch die Geschichte an sich sehr neugierig gemacht. Es klang nach einer witzigen Fake-Dating Geschichte mit queeren Charakteren. Noch dazu spielt es in London, da wollte ich unbedingt die Geschichte kennenlernen.
Luc ist eine sehr sarkastische und tollpatschige Person, die sein Leben nicht wirklich im Griff hat und ständig in den Schlagzeilen kommt. Nicht gerade praktisch, da sein Vater die Rock-Legende ist und ständig Skandale von ihm zu lesen sind. Luc’s Freunde sind ebenso queer, total sympathisch auf ihre Art mit einem witzigen Humor. Insbesondere, wenn sie Luc hoch nehmen. Am Anfang hatte ich ein wenig Mühe, mich mit ihm anzufreunden. Der Schreibstil war da auch ein wenig mitschuldig, da ich eine Weile brauchte, bis ich mich an ihm gewöhnt habe. Dann traf er auf den sehr wohl organisierten und erfolgreichen Anwalt Oliver. Im ersten Moment dachte ich, Oliver läuft nur mit einem Stock im A*** weil es so spiessig rüber kam. Auch bei ihm hatte ich meine Mühe zu Beginn, immerhin haben seine Bananen einen eigenen Hacken in der Küche. Nichts desto trotz fand ich mehr und mehr in die Geschichte und begann die Charaktere mehr zu verstehen. Durch witzige Dialoge oder Chats hat es ein wenig gelockert und es hab einige Momente, wo ich lachen musste. Hier muss betont werden, dass die Geschichte langsam seinen Lauf nimmt. Es passieren zwar viele Dinge, dennoch gibt es Momente, wo man gefühlt stehen geblieben ist und nicht weiter kommt. Ein paar unnötige Dramen hätte es durchaus gutgetan. Je näher sich die beiden kamen, desto mehr verstand man, dass sie doch nicht so unterschiedlich sind wie man zuerst dachte. Beide haben mit ähnlichem zu kämpfen, aber auf einer ganz anderen Art und Weise. Ich begann Luc zu verstehen, warum er sich hinter seinem Sarkasmus versteckt und Oliver hinter seines Perfektionismus. Es werden durchaus schwierige Themen angesprochen, die mich sehr berührt haben und mitfühlen liessen. Die Entwicklung der beiden gefiel mir daher gut. Nichts desto trotz wirkten sie des öfteren sehr unreif und kindisch, obwohl beide ende zwanzig sind. Je nachdem kann es ein Teil ihrer Persönlichkeit sein (mal ehrlich, jeder kennt doch jemanden, der zwar Erwachsen ist, aber bei gewissen Situation sich wie ein Kind verhält), oder eben der Schutzmechanismus ihres Traumas. Und es ist sehr schwierig damit umzugehen, vor allem wenn einen Partner an seiner Seite hat aber nicht seine “schlechte” Seite zeigen möchte. Das Ende war ein ziemliches hie und her, was aber irgendwie auch amüsant war wegen Luc’s Freunden.
Oliver’s Familie hat mich ziemlich erschüttert und da gab ich Luc total Recht, wie er reagiert hat #sorrynotsorry. Womöglich, weil meine Familie ähnlich tickt und ich gerade Schadenfreude hatte #period
Auch wenn das Buch etwas langatmig ist, fand ich es im grossen und ganzen witzig, amüsant, aber auch schön und wichtig, weil doch einige wichtige Themen angesprochen werden und wir zwei junge Erwachsene begleiten, wie sie damit umzugehen versuchen. Ihre beiden Freunde sind alle sehr schräg und witzig, was das Buch für mich noch etwas sympathischer gemacht hat. Wer sich für RomComs interessiert mit queeren Charakteren kann sich das Buch gerne anschauen.