Anna Vesper wird neue Polizeichefin in einer kleinen Gemeinde in Süd-Schweden. Über dem Ort liegt eine alte Tragödie: Vor 27 Jahren gingen 5 Jugendliche an einem Steinbruch zelten, um das Ende des Sommers zu feiern, aber nur 4 von ihnen überlebten die Nacht: der 5., Simon Vidje, ertrank - ein Unfall, wie man sagte. Doch seine Mutter zweifelt bis heute daran. Anna wird neugierig - haben damals alle die Wahrheit gesagt? Oder warum wird sie das Gefühl nicht los, dass alle etwas vor ihr geheimhalten wollen? Schließlich muss Anna in einem anderen Unglücksfall ermitteln, während sie gleichzeitig versucht, die Schatten ihrer eigenen Vergangenheit loszuwerden.
Der Autor entwirft hier ein düsteres Herbst-Szenario. Es regnet viel, und irgendwie liegt eine traurige Dunkelheit über dem Ort - und so fühlt sich auch die Geschichte an: traurig und dunkel.
Zunächst gibt es zwei Erzählstränge: der Sommerabend am Steinbruch 1990 und dann die Gegenwart 2017.
Die Ereignisse 1990 sind für die Geschichte zwar wichtig, da hier gezeigt wird, wie sich die Gruppendynamik nach und nach ändert, allerdings nehmen diese auch recht viele Seiten ein, das hätte man für meinen Geschmack ein wenig kürzen können.
Anna war mir sehr sympathisch, ihre Ermittlungen gut nachzuvollziehen, und wie sie sich gegen die mobbenden Kollegen behauptet, gefiel mir auch.
Ein bisschen nervig fand ich das fast unterwürfige Verhalten von Anna ihrer Teenager-Tochter Agnes gegenüber. Jedes Wort, jede Handlung wird auf die Goldwaage gelegt, damit Agnes nicht mehr sauer ist. Ich glaube, hier wird der mürrische Teenager (auch wenn Agnes sicher ihre Gründe hat) ein bisschen sehr überzeichnet.
Dass die meisten Einwohner etwas verschweigen, ist dem Leser natürlich von Anfang an klar. Wie genau sich am Ende alles zusammenfügt, war schlüssig und überraschend, allerdings hätte ich mir als Leser vielleicht den ein oder anderen kleinen Hinweis bezüglich Simons Tod gewünscht, denn so erschien mir die Lösung ein bisschen fix aus dem Hut gezaubert.
Es wird sehr wenig gelächelt, geschweige denn gelacht, und selbst der kleine Terrier Milo ist launisch. Und obwohl ich lieber Geschichten mag, die nicht ganz so düster sind, habe ich das Buch gern gelesen.