Eine 64-jährige Frau geht durch den Wald und nähert sich dabei immer mehr dem sechzehnjährigen Mädchen, das sie einmal war. Mehr über die Handlung zu schreiben, ist schwierig, weil man bei diesem Buch sehr schnell spoilern würde.
Also fange ich mit der Sprache an: Sie ist literarisch und erzeugt einen starken Sog. Es gibt viele lange Sätze, die aber nicht unnötig kompliziert oder verschachtelt wirken.
Mit der Geschichte selbst hatte ich lange Mühe. Sie bewegt sich kreisend, stockend und wiederholend um etwas, das die Erzählerin noch nicht unmittelbar sagen kann. Alles wirkt klaustrophobisch und nach innen gerichtet: zugleich atemlos vorwärtsstürzend und wie unter Druck angehalten. Sie erzählt und kommt doch nicht wirklich von der Stelle. Wir bekommen keine bereits verstandene Erinnerung erzählt. Wir erleben, wie sie beim Erinnern und Erzählen überhaupt erst ihre Bedeutung erhält.
Lange sieht alles nach einer eher konventionellen Teenagergeschichte aus. Als ich dachte: Jetzt weiss ich, was passieren wird – Bumm! –, bog der Roman in eine Richtung ab, mit der ich überhaupt nicht gerechnet hatte. Plötzlich fing mein Hirn an zu arbeiten und Fragen zu stellen.
Einzelne Stellen waren mir etwas zu theatralisch inszeniert. Trotzdem wird hier ein bekanntes Thema auf eine vollkommen unkonventionelle Weise erzählt, wie ich es noch nie gelesen habe. Genial konstruiert!
📚 Weitere Rezensionen auf Deutsch findest du auf meinem Goodreads- und LovelyBooks-Profil